Gesellschaft, Politik

Von Angst und Hass

Donald Trump kann es nicht sein lassen. Pöbelnd verschafft sich der Präsidentschaftsanwärter unter republikanischer Flagge die Aufmerksamkeit der Medien und scheint dafür Tag für Tag die Grenzen ins rechte Spektrum zu sprengen. Ein Faschist im Anfängerstadium und Wegbereiter für eine dauerhafte xenophobe, rassistische und sexistische Einstellung in konservativen und mehrheitlich weißen Teilen der Bevölkerung. Trump ist aber nur ein Beispiel von vielen. Die grassierende xenophobe und rassistische Bewegung in den USA und Europa hat viele Gesichter: AfD, Front National, Republikaner. Dabei vergessen wir ganz gerne folgendes.Bei all der Hetze auf dem Rücken von Minderheiten, Religionen und Kulturen geht es nur um ein Thema: Die Bekämpfung der sozialen Ungleichheit.

Von Flüchtlingen und einem Schiff 

Ob Donald Trump die Geschichte der „St. Louis“ kennt? Im Mai 1939 weisen Kuba und die USA ein Schiff aus Europa ab. An Bord: Fast tausend jüdische Flüchtlinge. Der damalige US-Präsident Roosevelt beugt sich dem verschärften innerpolitischen Klima und lässt das Boot nicht an Land. Es muss zurück nach Europa und das Schicksal der Insassen ist besiedelt. Fast ein Viertel von ihnen starben in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten. Die Pointe an der Geschichte: Damals wie heute war ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung gegen die Aufnahme von Flüchtlingen, wie eine Umfrage von 1938 zeigt.

Gerade einmal fünf Prozent der Bevölkerung von 1938 waren für eine Erhöhung der Aufnahmequoten von Flüchtlingen. Selbst nach den Pogromen in Deutschland, im Januar 1939, änderte sich die Stimmung kaum, als es um die Aufnahme von 10.000 jüdischen Flüchtlingen ging.

Ein Faschist im Anfängerstadium

Und heute? Umfragen zeigen ein ähnliches Bild: In einer aktuellen Umfrage sprechen sich 56 Prozent der US-Amerikaner gegen die Aufnahme weiterer syrischer Flüchtlinge aus. Donald Trump und andere Demagogen in politischen und medialen Kreisen wollen diese Stimmung nutzen. Im Wettrennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur und Einschaltquoten, scheint es rechts vom Wählerspektrum keine Grenzen zu geben. Trump weiß, dass sein Rechtsruck gut bei Konservativen ankommt. Für die Wahl 2016 hingegen wird er sich etwas Anderes einfallen lassen müssen. Aber langfristiges Denken scheint aktuell nicht im Interesse Trumps zu sein.

Trump geht sogar noch einen Schritt weiter: Registrierung aller Muslime im Land, Aufnahmestopp von muslimischen Flüchtlingen und falsche Behauptungen über Muslime, die laut Trump am 11. September 2001 die Anschläge in New York City bejubelten, lassen keinen Unterschied zur antijüdischen Haltung unter den Nationalsozialisten in Deutschland erkennen. Trump ist sich für nichts zu schade. Ein Faschist im Anfängerstadium, der die Grenzen des Machbaren erprobt und die Seelen der Konservativen weiter ins Dunkle hineinzieht. 

Die Saat von Angst und Hass

Dabei spielt der Multimilliardär mit dem Feuer, wie aktuelle Gegenbewegungen zeigen. Nach der Hetze gegen Mexikaner, illegalen Einwanderern und aktuell den Muslimen, scheint das Fass überzulaufen. Die New York Police Department Muslim Officers Society ist nur eine Bewegung, die sich aktiv gegen Trumps Rhetorik und Vorurteile wehrt.

Und dennoch: Er dominiert die mediale Berichterstattung. Ob in Europa oder den USA. Kein Tag vergeht, indem die blonde Mähne Trumps nicht auf den Webseiten der großen Nachrichtenportale erscheint. Die fremdenfeindliche Stimmung scheint im Westen der Welt aktuell Hochkonjunktur zu haben. Sei es die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD), die rechtskonservative Prawo i Sprawiedliwosc (PiS) in Polen, der rechtsextreme Front National (FN) in Frankreich oder die Republikaner in den USA. Alle Parteien haben eins gemeinsam: Die Fremdenfeindlichkeit.

Bei der grassierenden xenophoben Einstellung in der westlichen Bevölkerung und den Rufen nach Grenzen, scheint doch lediglich nur um ein Problem zu gehen: Die soziale (Un-) Gerechtigkeit. Doch zu komplex, zu schwierig zu handhaben und in den USA teilt dieses Thema das ganze Land – in Demokraten und Republikanern. Die Antworten auf dieses Thema fallen zumeist einfach aus und bestehen aus dem Säen von Angst und Hass. Doch Angst und Hass waren noch nie gute Wegbereiter, wenn es um die langfristige und nachhaltige Lösung von Problemen ging.

Ein Problem, eine Lösung: Piketty lesen

Dabei würde ein Blick in das Werk Thomas Pikettys genügen, um der Angst und dem Hass ihre Essenz zu entziehen.  Der Ökonom aus Frankreich hat mit seinem Werk „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ (englisch: Capital in the Twenty-First Century) festgestellt, dass sich über die Jahrhunderte hinweg die Vermögen stets erheblich schneller vermehrt haben als die Wirtschaftsleistung. Bedeutet: Erträge auf Geldanlagen, Aktien oder Immobilien belaufen sich im Schnitt auf viereinhalb bis fünf Prozent im Jahr, wo hingegen der Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes langfristig bei ein bis zwei Prozent liegt. Einkommen aus Arbeit kann also unter keinen Umständen mit Einkommen aus angehäuftem Vermögen mithalten.

Anders gesagt: Wer hat, dem wird gegeben – und wer nichts hat, für den gibt es kein Entrinnen. Und was ist die Antwort von der AfD in Deutschland, den Republikanern in den USA oder dem Front National in Frankreich auf dieses Problem? Das gegenseitige Ausspielen der betroffenen Klassen in Form von Protektionismus und Diffamierung!

Die Angst der Menschen ist der Gewinn der Rechten

Zumindest handeln danach Donald Trump und Ann Coulter, US-amerikanische rechtskonservative Kolumnistin und Sachbuchautorin sowie Moderatorin beim US-Fernsehsender Fox. Sie sind sich einig und scheinen für Fakten dieser Art immun zu sein.

Sie bieten einfache Antworten. Sie reden von höheren Zäunen und Mauern, Datenbanken für Muslime und mehr Bomben auf Syrien. Sie reden von Steuersenkungen, weniger Staat und mehr Ich. AfD und Co ziehen mit, nur mit anderen Worten und Methoden. Mal radikaler, mal subtiler. Dabei erscheint es grotesk, dass ein Multimilliardär und eine Multimillionärin bei denen Ängste schüren, die dabei sind in die Armut abzurutschen und bei denen, die dort schon gelandet sind. Mittelschicht gegen Unterschicht, Unterschicht gegen Flüchtlinge. Christliche gegen muslimische Flüchtlinge. 

Ob in den USA oder Europa. Die Debatten sind vergiftet, irreführend und führen über kurz oder lang zu einer nationalistischen Bewegung, die gerade Europa dauerhaft spalten könnte. Piketty ist natürlich nicht die Lösung auf all die oben genannten Probleme. Aber sein Werk bringt einen sachlichen und wissenschaftlich fundierten Standpunkt in die Runde. Er steht für Aufklärung und Fortschritt. Trump und Co stehen für Angst und Hass.

Die Frage nach den Ursachen der sozialen Ungerechtigkeit wäre ein erster Schritt, um die sozialen Spannung zu bekämpfen. Nach der Frage aber muss das Handeln kommen. Und bisher, so haben wir es gesehen, wird denen zugehört, die am lautesten schreien: Den Demagogen dieser Welt.

Warren Buffett, Multimilliardär und wohl bekannteste Wall Street Zocker der Welt, meint dazu übrigens: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“

zurück zur vorherigen Seite

zugehörige Artikel